Radio HCJB - Die Stimme der Anden
Aus einem umgebauten Schafstall in der südamerikanischen Stadt Quito in Ecuador, ging Weihnachten 1931 Radio HCJB erstmals auf Sendung. "Die Stimme der Anden", wie sich der Sender auch nennt, ist der älteste überkonfessionelle Missionssender der Welt und sendet heute von Pifo aus in 11 Sprachen, unter anderem auch in Deutsch.
Über Kurzwelle, Satellit und Internet ist der Sender praktisch auf der ganzen Welt zu hören. Sendesprachen sind u. a. Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Russisch, Hindi, Urdu und Quechua, die Sprache der Nachfahren der Inka. Im Februar 2002 wurde damit begonnen auch in "Plautdietsch", einer Form des ostfriesischen Plattdeutsch zu senden. Diese Sprache wird von über 400.000 mennonitischen Christen weltweit gesprochen die vor allem in Süd- und Mittelamerika, sowie in Kanada und Deutschland leben.
Die deutsche Abteilung von Radio HCJB wurde am 13. August 1953 von David und Anna Nachtigal, zwei Deutsch-Kanadiern mennonitischer Herkunft gegründet. Zunächst wurde mit dem Zielgebiet Europa auf Kurzwelle gesendet, doch schon bald meldeten sich auch deutsche Einwanderer aus Südamerika, die das Programm empfangen hatten. Da die Interessen der beiden Hörergruppen sehr unterschiedlich sind, wurde das Programm aufgeteilt: Die Siedler in Südamerika sitzen meist mit der ganzen Familie am Empfänger und wollen die religiösen Sendungen von Radio HCJB hören. Die Hörer in Europa sind meist Rundfunkbegeisterte Personen die sich hauptsächlich für die lateinamerikanische Kultur, Land und Leute und für die Musik aus den Anden interessieren. Für beide Gruppen wird täglich ein je halbstündiges Programm produziert.
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Eine QSL Karte aus dem Jahr 1987. Das Monument steht einige Kilometer nördlich von Quito, in der "Mitte der Welt" auf den Breitengrad "0". |
Das südamerikanische Flair ist ein wichtiger Bestandteil der Sendungen für Europa. Informationen aus Südamerika haben in den Sendungen ebenso ihren Platz wie religiöse Themen, gemischt wird dies mit Musik aus den Anden:
- Dienstags ist die Sendung "Land und Leute in Südamerika" zu hören.
- Mittwochs läuft die Sendung "Aktuelles aus dem alten Buch".
- Donnerstags gibt es Nachrichten aus Südamerika und das HCJB Journal in der Sendung "Neues unter der Äquatorsonne".
- Am Wochenende kommt die Sendereihe "Gottes Wort zum Sonntag".
Ein Programm mit Schwerpunkt Rundfunkfernempfang, in dem auch Beiträge von deutschen Kurzwellen-Clubs zu hören sind, gibt es immer Samstags. Montags werden Briefe von Hörern aus Europa vorgelesen und Fragen daraus beantwortet.
Der Dialog mit den Hörern wird bei HCJB groß geschrieben. Der Sender freut sich über Briefe von Hörern aus aller Welt. Viele Stammhörer haben schon seit Jahrzehnten engen Kontakt zu dem Sender. Briefe und E-Mails werden soweit möglich immer persönlich beantwortet. Für Kurzwellenhörer werden regelmäßig neue Serien mit QSL Karten aufgelegt, wer regelmäßig Empfangsberichte schreibt kann auf Wunsch sogar einen Stationswimpel bekommen.
Die für die deutschen Sendungen zuständige Redaktion, besteht derzeit aus sechs festen und sieben freien Mitarbeitern. Fast alle sind von der "Deutschen Missionsgemeinschaft" (DMG) oder der Vereinigten Deutsche Missionshilfe (VDM) nach Südamerika entsandt worden.
Mit der Gründung des deutschen Dienstes 1953, nahm auch eine neue Sendeanlage in Pifo (30 km östlich der Hauptstadt Quito) ihren Betrieb auf. Von hier aus erreichte man mit 16 leistungsstarken Kurzwellensendern ca. 80% der ganzen Welt. Die Stromversorgung für die Sender erfolgt über ein eignes Wasserkraftwerk, das 1965 in Betrieb genommen wurde.
Wegen dem geplanten Bau eines neuen Großflughafens in Quito müssen die traditionsreichen Sendeanlagen in Pifo in einigen Jahren wahrscheinlich abgebaut werden. Die Sendeantennen stehen direkt in der Einflugschneise des geplanten Flughafens. Der Sender geht davon aus, das die Sendeanlagen noch bis ca. 2008 bestehen bleiben können. Zur Zeit wird nach alternativen Möglichkeiten gesucht.
| Im Hinter- grund sind die Sende- anlagen in Pifo zu erkennen. | |
Im März 2000 fiel der Startschuss für die Satellitenübertragung in Europa. Durch die Kooperation mit "World Radio Network" in London kann das deutsche Programm seitdem auch europaweit analog über Astra 1B und digital über Eutelsat Hotbird 5 empfangen werden. Gleichzeitig ist das Programm über den Afristar Satelliten (Worldspace) und als Livestream im Internet zu hören. Die deutschsprachigen Sendungen für Europa können auch jederzeit "on-demand" auf der recht umfangreichen HCJB Homepage gehört werden. Auch die Kurzwelle ist nach wie vor ein sehr wichtiger Verbreitungsweg für Radio HCJB.
Im August 2003 feierte die Deutsche Abteilung ihr 50 jähriges Jubiläum. In Sondersendungen waren historische Aufnahmen aus der Stationsgeschichte zu hören. Auch einige ehemalige Mitarbeiter berichteten in Interviews über ihre Arbeit in den Anfangsjahren.
Leider war 2003 ansonsten kein gutes Jahr für Radio HCJB. Am 31. Mai wurden bis auf die deutsche Abteilung, alle Sprachdienste für Europa, Afrika, Asien, Ozeanien und Nordamerika eingestellt. Auch die deutschen Kurzwellensendungen für Europa sollten zum 28. September 2003 eingestellt werden. Die "Andenstimme" wäre dann in Europa nur noch über Satellit und übers Internet zu hören gewesen und hätte damit viele rundfunkbegeisterte Kurzwellenhörer verloren. Da der Sender sich ausschließlich aus Spenden finanziert und Sparmaßnahmen nötig waren, sah sich die HCJB Zentrale in Colorado Springs, (USA) aber zu diesem Schritt gezwungen. Die Mitarbeiter in Quito suchten fieberhaft nach einem Weg, dennoch weitersenden zu können. Nach einigen Monaten der Ungewissheit verkündete der Leiter der deutschen Abteilung "Horst Rosiak" am 19. Juni 2003, dass die Kurzwellensendungen aus Quito zunächst bis September 2004 fortgeführt werden können. Allerdings müssen Die Sendungen jetzt aus eigenen Mitteln finanziert werden, was nur durch die Unterstützung der Hörer in aller Welt möglich ist. Die tägliche Sendezeit aus Ecuador für Europa wurde von 60 Minuten auf eine halbe Stunde gekürzt. Dafür werden seit Dezember 2003 täglich 60 Minuten auf den Sendeanlagen der T-Systems in Deutschland angemietet.
Die Zukunft der Kurzwellensendungen aus Quito ist weiterhin ungewiss. Der lateinamerikanische Religions- und Kultursender benötigt zum Überleben weiterhin die Unterstützung der Hörer. Jeder Brief, jede E-Mail und jede Spende trägt zum Erhalt der deutschen Sendungen aus Südamerika bei.
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Die Mitarbeiter der deutschen Redaktion in Quito. |
HCJB World Radio
HCJB ist die Abkürzung von H-öre C-hristi J-esu B-otschaft, wobei das "HC" auch das Rufzeichen für Radiostationen in Ecuador ist. "La Voz de los Andes" ("Die Stimme der Anden") wurde von den beiden US Missionaren Dr. Clarence Jones und Reuben Larson gegründet. Die ersten Sendungen kamen Weihnachten 1931 aus einem umgebauten Schafstall in Quito. Damals sendete man noch mit einem kleinen 200 Watt Sender. Radio HCJB finanziert sich ausschließlich aus Spenden, getragen wird der Sender von dem überkonfessionellen Missionswerk "World Radio Missionary Fellowship Inc."
Im Januar 2003 startete das neue Radio HCJB Australia mit Sendungen für den Süd Pazifik und Asien. Außerdem unterstützt HCJB World Radio viele religiöse Radiosender in aller Welt.
Neben den Rundfunksendungen gibt es heute noch weitere Projekte in Ecuador: HCJB betreibt mehrere Krankenhäuser zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung. In eigenen Schulen werden religiöse und allgemeine Kenntnisse vermittelt. Insgesamt hat HCJB fast 500 ecuadorianische Angestellte und ca. 200 Missionare aus über 20 Nationen.
Links zum Thema im www:
- Radio HCJB - Deutsche Webseite
- Radio HCJB Internetradio (deutsch)
- Die internationale Webseite von HCJB (englisch)
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