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Radio jenseits des Atlantik:

Wie die Sender in den USA zu ihren "seltsamen" Namen kommen

Rufzeichen der Radiosender in den USA

Sagt man zu jemandem in New York oder Los Angeles "WHTZ" oder "KIIS", wird er diese Buchstaben sofort mit einer beliebten Radiostation in Verbindung bringen. In den USA haben alle Radiosender drei- oder vierstellige Namen die entweder mit einem "K" oder "W" beginnen.

Wir klären hier wie die Namen entstanden sind, was der Mississippi damit zu tun hat, und geben einen kleinen Einblick in die Rundfunkgeschichte.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von den Mitgliedsstaaten der "International Telegraph Union" (ITU) beschlossen, jedem Land Kennungen zur Identifizierung seiner Funkdienste zuzuweisen. Dafür wurde das Alphabet in Blöcke aufgeteilt, die dann den einzelnen Ländern zugeordnet wurden. So bekam z. B. Großbritannien den Buchstaben "G", Frankreich "F", Niederlande "P", Mexiko XA bis XC, usw. Diesen Kennungen konnten die Länder weitere Buchstaben oder Zahlen anhängen und somit für jeden Sender ein "Rufzeichen" bilden.

Die USA bekam in mehreren Schritten die Kennungen "W", "K", "N" und "AA" - "AL" zugewiesen, "AM" bis "AZ" wurde anderen Staaten zugeteilt, z. B. "AP" Pakistan und "AZ" Argentinien.

Der Mississippi ist die Grenze

Wie diese Senderkennungen innerhalb eines Landes vergeben werden, bleibt den jeweiligen Ländern selbst überlassen. In den Vereinigten Staaten bekommen Rundfunksender bei der Lizenzierung Rufzeichen zugewiesen die mit "K" oder "W" beginnen. "A" und "N" sind bestimmt für militärische Funkdienste wie Armee, Luftwaffe, Marine usw.

Die ersten Rundfunksender die in den zwanziger Jahren eine Lizenz beantragten, konnten sich noch aussuchen ob am Anfang ihres Rufzeichens ein "W" oder "K" stehen soll und ob es drei- oder vierstellig sein soll. Im Januar 1923 wurde dann eine Regel eingeführt die bis heute gilt: Sender die ihren Standort westlich des Mississippi haben bekommen Rufzeichen mit dem Anfangsbuchstaben "K", Sender östlich des Mississippi das "W". Außerdem wurde es wegen der stark anwachsenden Zahl der Sender, Ende der zwanziger Jahre nötig, ausschließlich vierstellige Rufzeichen zu vergeben. Stationen die bereits lizenziert waren, konnten ihren alten Namen behalten, neue Lizenzierungen und Namensänderungen werden ausschließlich nach der neuen Regelung durchgeführt.

Die ältesten Sender der Welt

Noch heute gibt es einige Sender die nach der alten Regelung lizenziert wurden, der älteste Sender der bis heute seinen dreistelligen Namen behalten hat ist "WBZ" in Boston, lizensiert am 15.09.1921. Insgesamt gab es Im März 1997 noch 56 Sender mit dreistelligen Namen. Diese Sender wurden in der "Steinzeit" des Radios lizenziert, gibt ein Sender seinen dreistelligen Namen ab, kann er ihn niemals zurückbekommen.

KDKA Pittsburgh

Auch einige Sender die vor der "Mississippi- Regelung" lizenziert wurden gibt es noch, "KDKA" in Pittsburgh (östlich des Mississippi), wurde am 27. Oktober 1920 lizenziert und gilt als ältester kommerzieller Rundfunksender der Welt.

Als in den vierziger Jahren reguläre UKW (FM) und TV-Sender aufkamen, wurde bei der Vergabe des Namens zusätzlich ein "-FM" oder "-TV" angehängt, wenn dieser Name bereits an einen Mittelwellensender (AM) vergeben war. So ist es möglich, dass es in einem Sendegebiet Namen gibt, die sich nur durch den Anhang unterscheiden. Z. B. sendet in San Francisco Radio "KCBS" auf Mittelwelle, in Los Angeles "KCBS-FM" auf UKW, und ebenfalls in Los Angeles "KCBS-TV". Natürlich kann ein FM oder TV Sender sich auch ohne den FM / TV Zusatz benennen, der Name darf dann aber noch nicht vergeben sein. In keinem Fall gibt es einen Namen doppelt, also zweimal nur "KCBS", oder zweimal "KCBS-FM" gibt es nicht.

Kleine Tricks on-air

Jeder Radio- und TV-Sender muss mindestens einmal pro Stunde sein Rufzeichen und die Stadt aus der er sendet im Programm nennen (sog. "legal ID"). Dabei ist genau vorgeschrieben wie diese Ansage zu erfolgen hat: Erst das Rufzeichen und unmittelbar danach der Standort. Es muss also heißen: "WABC, New York", falsch ist "WABC in New York", -dass wäre Regelverstoß. Einige Sender finden aber Wege ihre wahre Herkunft on-air etwas zu verschleiern. Ein Beispiel: In der Stadt "Farningham" gab es den Radiosender "WVBF", man gab sich aber immer als "WVBF Boston" oder auch als "Boston 105" aus. Um die vorgeschriebene legal ID zu nennen, sagte man zur vollen Stunde: "Hier ist Boston 105, die Temperaturen auf WVBF, Framingham 23 Grad, Boston 25 Grad..... das waren die Temperaturen auf WVBF Boston" und schon war die legal ID da. Die Behörden drücken in solchen Fällen meist ein Auge zu.

Manche Sender verwenden neben der offiziellen Bezeichnung auch noch andere Namen wie z. B. "Z-100", "Kiss-FM", "Arrow 93.1" oder "K-Rock" dies geschieht aus Marketinggründen, die offizielle Bezeichnung ist immer das Rufzeichen. So nannte sich z. B. die Radiostation "KLOK" immer "Clock-FM", aber zur vollen Stunde hieß es immer "K-L-O-K, San Francisco".

WRNO New Orleans

Die Rufzeichen werden in den USA von der "Federal Communications Commission" (FCC) vergeben. Ein Sender kann die letzten drei Buchstaben seines Namens bei der Lizenzierung selber auswählen, oder auch jederzeit gegen eine Gebühr, ändern lassen, beispielsweise nach dem Verkauf eines Senders. Wenn der Name noch frei ist, wird den Wünschen in der Regel entsprochen. Liegt kein bestimmter Wunsch vor, werden die Rufzeichen der Reihe nach vergeben (KDKA, KDKB, KDKC ....).

Die Bedeutung der Namen

Meist haben die Rufzeichen keine bestimmte Bedeutung, manchmal lässt sich aber der Standort eines Senders ableiten wie bei WNYC in New York City, - oder der Name deutet auf den Eigentümer oder einen Slogan hin: WIOD, Miami ("Wonderful Isle of Dreams"); WRNO, New Orleans ("Rock of New Orleans"); WLS, Chicago ("Worlds Largest Store"); WTOP, Washington, D.C. ("Top of the Dial"); WCFL, Chicago ("Chicago Federation of Labor"); WGN, Chicago ("World's Greatest Newspaper"); WGR, Buffalo ("We're Great Radio"). Der Name darf allerdings nicht auf etwas anstößiges oder illegales hindeuten.

In den meisten Ländern Europas sind die Rufzeichen bei den Rundfunksendern bereits früh verschwunden, manche Länder haben sie nie genutzt. Das die Rufzeichen in den USA heute noch eine so große Bedeutung haben, liegt an der großen Anzahl der Sender. Eine eindeutige Zuordnung wäre sonst kaum möglich. 1922 gab es ca. 500 Sender in 100 verschiedenen Städten, heute sind es über 12.700 Sender in über tausend Städten.


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